Definitionen & Prinzipien

Definitionen

Definition Nachhaltiger Wirtschaften

Nachhaltiger Wirtschaften bedeutet, auf Unternehmens- und auf Produktebene schrittweise mehr Verantwortung für Mensch und Natur zu übernehmen – vom Unternehmensstandort über die Wertschöpfungskette bis hin zur Gesellschaft. Hierbei gilt es, sowohl das globale Nord-Südgefälle als auch die zukünftigen Generationen im Blick zu haben. Nachhaltiger Wirtschaften ist ein mittel- bis langfristiger Lernprozess, der einen offenen Dialog mit den Anspruchsgruppen des Unternehmens voraussetzt.

Anspruchsgruppen bzw. Stakeholder

Als Anspruchsgruppe oder Stakeholder (engl.) wird eine natürliche Person oder eine juristische Person bezeichnet, die ein Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Prozesses (z. B. eines Projekts oder der wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens) hat. Als Stakeholder gelten dabei neben den Eigentümern (Anteilseigner, z. B. Anspruch auf Dividende) die Mitarbeiter einschließlich der Manager (z. B. Anspruch auf Beschäftigung, Jobsicherheit), die Kunden (z. B. Anspruch auf Qualität und Zuverlässigkeit), die Lieferanten (z. B. Anspruch auf fristgerechte Zahlung), die Kapitalmärkte (u. a. Kreditgeber, z. B. Anspruch auf Risikovorsorge, Risikotransparenz), der Staat (z. B. Anspruch auf Steuerzahlung), die Öffentlichkeit (Parteien, Verbände, Kirchen, Medien, Non-Profit-Organisationen usw., z. B. Anspruch auf Unterstützung des Gemeinwohls, von Wissenschaft, Kultur etc.) sowie die Natur (z. B. Anspruch auf Umweltschutz und nachhaltigen Umgang mit den Naturressourcen).

Lebenszyklusdenken - über die Wertschöpfungskette hinaus

Während die Wertschöpfungskette von der Urproduktion bis zum Point of Sale geht, soll der Begriff „Lebenszyklus“ betonen, dass auch die Nutzungs- und die Entsorgungsphase („Abfälle werden zu Rohstoffen“) mitgedacht werden. Heutzutage beschäftigen sich die meisten Lebenszyklusanalysen mit den Umweltwirkungen von Produkten, wobei soziale Wirkungen zunehmend in die Analysen mit einbezogen werden. Ein allgemein anerkanntes, einheitliches Verfahren zur Ermittlung von Nachhaltigkeitswirkungen aus Lebenszyklusperspektive gibt es derzeit nicht.

Die 8 Prinzipien des ZNU-Standards

Der Standort und das Unternehmen als Bezugseinheit der Zertifizierung

Unternehmensstandorte können nach dem Standard zertifiziert werden. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit eine Multi-Site-Zertifizierung bei Unternehmen mit mehreren Standorten durchzuführen. Dabei wird die Einhaltung der am jeweiligen Standort geltenden gesetzlichen Anforderungen vorausgesetzt und ist nicht Bestandteil dieses Standards.

Über gesetzliche Pflichten hinaus

Nachhaltigeres Wirtschaften geht über gesetzliche Anforderungen hinaus. Aktivitäten in diesem Bereich sind kein Ersatz für die Erfüllung gesetzlicher und tarifvertraglicher Regelungen und die Pflicht zur Einhaltung internationaler Normen, sondern ergänzen diese, respektive setzen diese voraus.

Erfüllen oder erläutern (comply or explain)

Zu allen Anforderungen des Standards ist deren Erfüllung nachzuweisen. In Punkten, die auf das Unternehmen nicht zutreffen, ist eine kurze Erläuterung notwendig, warum dies so ist.

Denken / Handeln / Messen / Kommunizieren als Kernelemente des Lernprozesses

Das Nachhaltigkeitsmanagementsystem muss auf dem Prinzip „Denken / Handeln / Messen / Kommunizieren“ beruhen. Die grundlegenden Vorgaben und Ziele müssen im Rahmen der Aufbau- und Ablauforganisation regelmäßig geplant, umgesetzt, kontrolliert und bewertet werden, um die kontinuierliche Verbesserung zu mehr Nachhaltigkeit zu gewährleisten und somit eine glaubwürdige Kommunikation zu ermöglichen.

Nachhaltigkeit umfasst alle Unternehmensprozesse – Grundsatz der Wesentlichkeit

Nachhaltigkeit muss grundsätzlich in allen Unternehmensprozessen berücksichtigt werden. Das Unternehmen entscheidet im Rahmen seiner Strategievorgaben, in welchen Bereichen (Aktivitäten, Abläufen) es die Schwerpunkte seiner Nachhaltigkeitsaktivitäten legt. Voraussetzung hierzu ist die systematische Ermittlung der wesentlichen Nachhaltigkeitsauswirkungen, um die Organisation nicht zu überfordern.

Dynamisierung durch die Verknüpfung von Gesamtstrategie und Einzelthemen

Der Standard basiert auf dem ZNU-Phasenmodell und verbindet
-    die Managementebene mit dem operativen Geschäft,
-    die Gesamtstrategie „Nachhaltigkeit“ mit Einzelthemen,
-    den Nachhaltigkeitsverantwortlichen auf Geschäftsführungsebene mit den Treibern von Nachhaltigkeit in den Linien
und zielt mit dieser Kombination darauf, einen lebendigen und erfolgreichen Lernprozess hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise zu fördern.

Handlungsspielräume erweitern durch vorausschauendes Nachhaltigkeitsmanagement

Der Standard verbindet dauerhaft gültige Anforderungen, die sich meist auf das Managementsystem beziehen, mit flexiblen Anforderungen, die sich aus dem Dialog mit Anspruchsgruppen ergeben. Durch diese Kombination wird unterstützt, dass Unternehmen strategische Handlungsspielräume erweitern und sich effizient an aktuell aufkommende Nachhaltigkeitsanforderungen anpassen können.

Berücksichtigung relevanter Anspruchsgruppen

Jedes Unternehmen ist Teil des gesellschaftlichen Gesamtsystems und steht in Wechselwirkung mit unterschiedlichen internen und externen Anspruchsgruppen. Im Rahmen des Nachhaltigkeitsmanagementsystems muss das Unternehmen deren Interessen identifizieren, bewerten und mit den eigenen Geschäftsinteressen abgleichen. Viele Problemfelder der Nachhaltigkeit können nur von verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren gemeinsam gelöst werden. Aus diesem Grund sollte sich jedes Unternehmen in seiner Kommunikation öffnen und den Dialog mit Anspruchsgruppen fördern.